Biologistisch orientierte Psychiater und Psychiaterinnen sind der Ansicht, dass Psychosen primär durch eine Hirnstoffwechselstörung verursacht sind, die man mit Psychopharmaka gut behandeln kann. Natürlich können Psychopharmaka eine große Hilfe zum Beispiel während einer akuten Krise sein, wenn diese mit Ängsten und Agressionen verbunden ist. Doch wenn Menschen, die Psychosen erleben, diese Hirnstoffwechselstörung als eigentliche Ursache akzeptieren, kommen sie meist zu dem Schluß, zur Vermeidung weiterer Psychosen nur Psychopharmaka einnehmen zu können. Dabei ergreifen sie nicht die Chance, herauszufinden, welche seelischen Ursachen ihrer Psychose zu Grunde liegen. Wer hingegen die Hirnstoffwechselstörung als Folge seines emotionalen Stresses erkennt, hat die Möglichkeit, selber aktiv zu werden, um Stress und Gefühlsstau zu vermeiden, seine Psychose verstehen zu lernen und sie in sein Leben integrieren zu können.
Dorothea Buck bringt ihr Psychose-Erleben auf den Punkt:
- Erfahrungen der Betroffenen anhören und ernst nehmen.
- Psychose als Aufbruch des normalerweise Unbewussten ins Bewusstsein, um vorausgegangene Lebenskrise zu lösen, die wir mit unseren bewussten Kräften nicht lösen könnten.
- Da Traum und Psychose aus der selben Quelle, dem Unbewussten, kommen, Parallelen zwischen beiden beobachten!
- Aufbruch von Symbolen in Traum und Psychose beim Denken und Handeln.
- Indentifikationen in Traum und Psychose.
Wir identifizieren uns mit den im Traum auftretenden Personen, die uns häufig selbst meinen. In der Psychose, vor allem der Schizophrenie, sind Identifikationen mit Jesus und anderen – vor allem biblischen- Gestalten häufig. - Die in Psychosen häufigen Beziehungs- und Bedeutungsideen lassen sich erst aus dem in der Psychose veränderten Weltgefühl sonst nicht gespürter Sinnzusammenhänge verstehen. Ähnliches gibt es im Traum.
Sigmund Freund erwähnt zum Traum: „Eine auffällige Tendenz zur Verdichtung, eine Neigung, neue Einheiten zu bilden aus Elementen, die wir im Wachdenken gewiss auseinander gehalten hätten.“ - Da diese Veränderungen sich von unserem normalen Denken und Vorstellen so unterscheiden, bewerten wir sie als nicht aus uns selbst, sondern von außen kommende „Eingebungen“. Aus diesem „Eingebungs“-Erlebnis resultiert wohl auch der Schizophrenie-Begriff.
Sobald wir aber von einem in der Psychose aufgebrochenen eigenen Unbewussten wissen, das wir wegen der ganz anderen Art des Denkens, des eher Gedachtwerdens, als nicht aus uns selbst kommend erkennen, sollte gemeinsam ein Psychose- und Selbstverständnis erarbeitet werden. - Unsere Psychosen gehen meistens mit aufbrechenden Impulsen und Emotionen einher, die auch aus dem Unbewussten kommen. Damit sich keine Gefühle und Impulse stauen können, lebe ich immer aus diesen Impulsen oder der inneren, nicht gehörten Stimme. Manche hören sie ja auch.
- Die Krankheit scheint mir darin zu liegen, dass wir unser Psychoseerleben für Realität halten. Würden wir es von vornherein auf der „Traumebene“ erkennen, wären wir nicht krank. Es bedarf also der Verschiebung der Psychose-Inhalte auf die Traum-Ebene, um sich den S I N N der Psychose zu erhalten, nur ihre objektive Wirklichkeit nicht.
- Durch diese Verschiebung meiner fünf als „schizophren“ diagnostizierten Schübe zwischen 1936 und 1959 und durch meine Arbeit bin ich seit genau 50 Jahren psychosefrei.
Hamburg, im Mai 2009
Dorothea Buck
Aus „Alternativen zur Opfer-Rolle – Psychosen selbst verstehen“, Brückenschlag Nr. 18, Paranus Verlag (In Absprache mit Dorothea Buck leicht geändert) und „Psychosen verstehen“, Ermutigungen, Paranus Verlag